Die Wiener Umweltschutzabteilung hat diese Liste gemeinsam mit anderen Wiener Magistraten und mit externen Expert*innen nach einem zweijährigen interdisziplinären Diskurs zusammengestellt.
A) GESAMT-CHECK: Zentrale Eigenschaften eines nachhaltigen Platzes
Damit von einem nachhaltigen Platz gesprochen werden kann, sind folgende Eigenschaften positiv zu beantworten:
- Der nachhaltige Platz ist frei zugänglich.
- Der nachhaltige Platz wird mit Beteiligung der Bevölkerung geplant und gestaltet.
- Der nachhaltige Platz entspricht den Bedürfnissen unterschiedlicher Nutzerinnen-und Nutzergruppen.
- Der nachhaltige Platz schafft angenehme kleinklimatische Verhältnisse.
- Der nachhaltige Platz ist standortgerecht bepflanzt.
- Der nachhaltige Platz ist robust im Material.
- Die Möblierung am nachhaltigen Platz lässt sich flexibel nutzen.
- Die Kosten von Errichtung und Erhaltung sind angemessen.
- Der nachhaltige Platz ist mit seinem Umfeld (andere Plätze und Parks) abgestimmt.
B) DETAIL-CHECK:
1. Mikroklima / Klimawandel
- Werden lokale Windverhältnisse beachtet? (Wien-Spezifikum!)
- Werden Staubproduktion und Staubverwirbelung vermieden?
- Sind Maßnahmen zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit, beispielsweise Pflanzen oder unversiegelte Flächen gesetzt (worden)?
- Gibt es entsprechende Maßnahmen, damit keine Überhitzung des Platzes eintritt?
- Sonne / Schatten-Verhältnis: Ist im Sommer genug Schatten und im Winter genug Sonne am Platz? (Flächenabschätzung in Prozent)
2. Materialien
- Herstellung der Materialen: Ist der Energieaufwand im Verhältnis zur Lebensdauer gering?
- Transport: Wie hoch ist der geschätzte Kilometeraufwand für den Transport der Materialien und regionale Bezugsquellen?
- Werden die Materialien mit einem umweltfreundlichen Transportmittel (Bahn, Schiff) angeliefert?
- Werden regionale Bezugsquellen bevorzugt?
- Sind die Materialien langlebig?
- Sind die Materialien recyclebar?
- Sind die Materialien reparaturfähig?
- Sind die Materialien sozial vertretbar produziert worden?
- Ist der Pflege- und Erhaltungsaufwand der Materialien gering?
- Ist ein potenzieller Umbau ohne hohen Bau- und Materialaufwand möglich?
3. Möblierung
- Ist die Möblierung robust?
- Ist die Möblierung multifunktional nutzbar?
- Alle Möblierungselemente zusammengenommen: Wie sieht das Verhältnis von fixen zu mobilen Möblierungselementen aus?
- Ist die Möblierung bespielbar?
- Gibt es Angebote zum Sitzen?
- Sind Tische vorhanden?
- Auf welche Zielgruppen wird bei der Möblierung speziell Rücksicht genommen?
- Gibt es Angebote zum Aufenthalt in der Sonne?
- Gibt es Angebote zum Aufenthalt im Schatten?
4. Pflanzen
- Ist eine standortgerechte (bevorzugt autochtone) und stadtgerechte Bepflanzung vorhanden / geplant?
- Werden ausdauernde / robuste Pflanzen verwendet, die nicht regelmäßig erneuert werden müssen?
- Sind Bäume vorhanden / geplant?
- Sind Nektarpflanzen für Schmetterlinge und Insekten vorhanden / geplant?
- Welche Begrünungselemente sind vorhanden / geplant:
Einzelsträucher
Strauchgruppen
Hecken
Stauden
Kletterpflanzen - Werden die Pflanzen im Umkreis von rund 100 Kilometern produziert?
- Ist der Pflegeaufwand der Pflanzungen gering?
- Wird eine Fassadenbegrünung unter Einhaltung der rechtlichen und technischen Voraussetzungen ermöglicht? (bei Einbeziehung umliegender Objekte)
- Werden invasive und giftige Pflanzen vermieden?
5. Tiere
- Werden wildlebende Tierarten gefördert und / oder erhalten?
- Werden Lebensgrundlagen (Futter, Paarung, Aufzucht) für wildlebende Tierarten geschaffen oder erhalten?
- Sind offene Erdflächen vorhanden? (Lebensraum für Nützlinge)
- Sind große Glasflächen vermieden worden? (Vogelschlag)
- Ist der Platz frei von „Fallen“ für Wildtiere? (Netze oder Abwehrhilfen)
- Eignet sich der Platz in seiner Ausgestaltung als Trittsteinbiotop?
- Eignet sich der Platz für Hundebesitzerinnen und -besitzer mit ihren Hunden?
6. Wasser
- Ist Wasser als (ästhetisches) Gestaltungselement vorhanden / geplant?
- Ist das Wasser nutzbar (zum Spielen, Füße ins Wasser hängen)?
- Gibt es einen Trinkwasserbrunnen?
- Ist Wasser für Tiere vorhanden / geplant?
- Sind wasserdurchlässige Bodenbeläge bevorzugt worden?
- Wird Regenwassermanagement angewandt / geplant?
- Wie viel Wasser kann auf der Gesamtfläche versickern (Abflussbeiwert 0-1)?
7. Nutzerinnen und Nutzer
- Sind die Bedürfnisse der (potenziellen) Nutzerinnen und Nutzer erhoben (worden)?
- Wird bei der Platzgestaltung auf das Wohlbefinden der Nutzerinnen und Nutzer Rücksicht genommen?
- Wird auf eine ausgewogene Nutzungsmischung am Platz geachtet?
- Wird speziell auf junge Menschen, sozial Schwache und ältere Personen und ihre jeweiligen geschlechtsspezifischen Unterschiede Rücksicht genommen?
- Wird Begegnung (kommunikative Bereiche) ermöglicht?
- Wird Rückzug (geschützte Bereiche) ermöglicht?
- Wie ist das Verhältnis von lauten zu leisen Bereichen?
- Werden subjektive Sicherheitsaspekte berücksichtigt?
- Werden Aneignung und Identifikation ermöglicht?
- Ist Information und Orientierung für die Öffentlichkeit vorhanden / möglich?
8. Platzumfeld
- Wird eine Beziehung zwischen dem Platz und seinem unmittelbaren Umfeld hergestellt?
- Sind die Anforderungen der Grün- und Freiraumvernetzung berücksichtigt? (Trittsteine, Grünbereiche, Grüne Wege)
- Werden die Bedürfnisse der unmittelbaren Anrainerinnen und Anrainer berücksichtigt?
- Wird das den Platz umgebende Umfeld berücksichtigt? (wie Bevölkerungsstruktur, Wohnungen, Ansiedelung von wirtschaftlichen Betrieben, Besonderheiten des Stadtteils)
- Wird die umgebende Infrastruktur (Verkehr, Nahversorgung, Erholung) berücksichtigt?
- Wird eine Vernetzung zu anderen Plätzen, Grün- und Freiräumen im Stadtteil hergestellt?
- Wurde die Geschichte des Platzes (des Ortes) bei der Gestaltung berücksichtigt?
9. Verkehr
- Ist der Platz frei von motorisiertem Individualverkehr?
- Falls nein: Wird das Prinzip “Stadt fair teilen“ angewandt?
- Sind Fußgeherinnen- und Fußgeher-Relationen berücksichtigt?
- Werden alternative Wegverbindungen angeboten, damit beispielsweise Fußgeherinnen und Fußgeher unangenehmen Situationen ausweichen können?
- Gibt es eine Einbindung in das Fußwegenetz Wien?
- Gibt es eine Einbindung in ein (vorhandenes) Radwege-Netz mit Infrastruktur? (Abstellplätze, Servicebox)
- Gibt es eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr?
10. Technische Infrastruktur
- Sind öffentlich zugängige, barrierefreie, kostenlose und saubere WC’s vorhanden / geplant?
- Sind Wasseranschlüsse vorhanden / geplant?
- Sind Stromanschlüsse vorhanden / geplant?
- Sind Mistkübel vorhanden / geplant?
- Sind Hundekotsackerl vorhanden / geplant?
- Ist eine drahtlose Internetverbindung (W-LAN) vorhanden?
11. Beleuchtung
- Wird das Prinzip der energieeffizienten / umweltfreundlichen Beleuchtung angewandt?
- Ist eine für Insekten schonende Beleuchtung vorhanden / geplant?
- Wird eine unnötige Aufhellung des Nachthimmels (=Lichtverschmutzung) vermieden?
- Werden Sicherheitsaspekte (gleichmäßige Ausleuchtung, Erkennbarkeit von Gesichtern auf eine bestimmte Distanz) bei der Beleuchtung beachtet?
12. Platz und Ökonomie
- Wie sieht das Verhältnis zwischen den kommerziellen und den nicht-kommerziellen Nutzungsflächen aus? (Flächenabschätzung)
- Sind Bewirtschaftungskonzepte für kommerzielle Nutzungen vorhanden?
- Werden Angebote für eine attraktive Erdgeschoßzonen-Nutzung gesetzt?
- Werden Life-Cycle-Kosten berücksichtigt (Materialien, Möblierung)?
- Werden lokale AkteurInnen bzw. Akteure (Geschäftstreibende, umliegende Institutionen, Vereine) und Nutzerinnen und Nutzer im Sinne einer Verantwortungsübernahme eingebunden?
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