GWÖ-Kongress 2014: Harald Welzer

Meine Mitschrift und eigene Gedanken zum Vortrag am 1. Mai 2014 auf der Uni Graz.

Dennis Meadows, Mitglied des Club of Rome, meinte 2012 in Hannover, dass es für Nachhaltigkeit zu spät sei: Gesellschaft soll ihre Mitglieder resilient machen!

Klimawandel: Enttäuschung über Naturwissenschaft. Wir brauchen eine kulturwissenschaftliche Initiative, Klimakulturforschung!
Welzer wollte sich auf seinem Institut dafür einsetzen, dass es zu keiner Aufwandserhöhung im Sinne des Kapitalsmus kommt -> „Slow Publishing“, eine Publikation pro Jahr vorgeschlagen.

„Friedhof der Initiativen“: Tod durch falsche Zeit, falscher Ort, falsche Leute.
Als Quelle der Inspiration: jetzt ist die richtige Zeit, hier ist der richtige Ort und wir sind die richtigen Leute!

Das Bewußtsein ist da, bloss die Praxis wurde nicht geändert.

Wie fühlt sich die zunehmende Diskrepanz zwischen Überzeugung und Handeln an? Welche Folgen hat dieses Gefühl (auch gesellschaftlich)?

Wenn man die Besorgnis der Wirtschaft überlässt: Sorgen werden bewirtschaftet. Durch die funktionale Trennung wird kein Bezug der einzelnen Akteure geschaffen und kein gemeinsames Handeln.

In Deutschland gibt es den Plan, Energie- und Ressourcensparen in Haushalten zu „lehren“. Doch sind die Hartz-IV-Empfänger die Richtigen, wenn man viel erreichen will? Sind da die Professoren nicht besser geeignet?

Menschen, die mit dem Kampfwagen gegen Weltklima (Porsche Cayenne) unterwegs sind. Die unteren Äste von Bäumen werden mehr beschnitten, um den SUVs mehr Platz zu geben. Der ADAC fordert breitere Spuren bei Baustellen.

Der Zeitaufwand für Konsumentscheidungen ist höher als für das Konsumieren selbst! Und dann werden 40%  der Lebensmittel weggeschmissen.

Selbstversuch: keine Lebensmittel mehr wegwerfen!

Ist die hohe Lebenserwartung heute dem Kapitalismus zu danken?
Die einzige Lösung des Kapitalismus ist Expansion.

Expandieren wir anders!

Wir brauchen einen gesellschaftlichen Stoffwechsel: erhalten wir unser heutiges hohes immaterialles („zivilisatorisches“) Niveau – Demokratie, Bildung – und senken wir die materiellen Standards! Keine neuen Technologien.

Wer Spielraum hat, muss ihn nutzen!

Entrepreneuring, wie ich es als Wirtschaft verstehe, auf andere Gebiete anwenden: Cultural Entrepreneuring, Ecological Entrepreneuring.

Essbare Stadt Andernach

Soziale Bewegung: wird per se initiiert durch eine Minderheit und zwar die, die mit der Situation unzufrieden ist.
Eine soziale Bewegung ist kein Protest und keine Subkultur! (Punks finden auch im Kapitalismus Platz.)
Kriterium für Erfolg: tiefenwirksam.

Kondratjew-Zyklus

„Jede Protestbewegung muss selber produktiv sein, sonst ist sie erpressbar. (…) Es gibt viele Möglichkeiten, in den Produktionsprozess einzugreifen.“
Es braucht Heterotopien: unterschiedliche, praktische Utopien.

Wir brauchen keine Bewußtseinsveränderung, sondern eine Praxisveränderung!
Bewußtsein trägt (offensichtlich) nicht zu Entscheidungen bei.
Anekdote dazu: Als ein Politiker nach der Wahl zum Präsident in Brandenburg gefragt wurde, ob es für ihn kein Problem darstellt, weil er 160km von der Hauptstadt Potsdam entfernt wohnt: nein, das Pendeln mit dem Auto ist für ihn kein Problem – das hat er schon als Umweltminister täglich gemacht.
Nachsatz: die Diskrepanz von Bewußtsein und Praxis hat das Potenzial zum Humor.

Macht- und Interessenskonflikte: Beispiel CO2-Ziele vs. Schätzung, dass sich noch 2795 Gigatonnen fossiler Ressourchen im Boden befinden. Esso will das rausholen und zu CO2 verwandeln, schließlich ist das ihr Geschäftsmodell!
Welcher Gegenwind ist da zu erwarten? Gewalt?

Divestment: Geld aus Privat-Stiftungen rausnehmen und statt das Geld arbeiten zu lassen, in nachhaltige Projekte investieren.

Coaching/Workshop:
individuelle Handlungsspielräume aufspüren.

Appell: Zeigen, was geht! Nicht andere überzeugen wollen.

Beispiel: Ursula Sladek und das Elektrizitätswerk Schönau

Beispiel: Futur 2. Da werden Geschichten erzählt. Jede Tankstelle ist eine Erzählung.

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