Rücksichtslose Radfahrer*innen

Vorneweg: Ich hasse Rücksichtslosigkeit in jeglicher Form. Und ich habe es so satt, mir ständig diese Geschichten von rücksichtslosen Radfahrer*innen anzuhören. 

1. Radfahrer*innen zeigen Rücksicht gegenüber Umwelt und Menschen. Sie sind keine Umweltverschmutzer, Lärmerzeuger und keine Förderer der fossilen Industrie.

2. Radfahrer*innen sind Menschen. Diese Spezies hat leider auch rücksichtslose Exemplare. Und gedankenlose und missverstandene.

3. Radfahrer*innen werden von rücksichtslosen Autofahrer*innen gefährdet und verärgert. Täglich.

Seien wir froh, dass diese rücksichtslosen Verkehrsteilnehmer*innen am Fahrrad sitzen und nicht eine dieser tonnenschweren, 100 PS-starken, potenziell tödlichen Blechkarossen lenken.

4. Radfahrer*innen sind immer noch das geringere Übel. Ich werde lieber von einem Rad als einem Auto angefahren. Statistisch gesehen passiert es seltener und ist eindeutig weniger gefährlich: 2011 wurden 87 Fußgänger*innen durch Autos getötet und keine*r durch ein Fahrrad. Anfang 2012 wurde 1 Fußgängerin von einem Radfahrer getötet. (Quellen s.u.)

5. Radfahrer*innen sind unmittelbarer ins Verkehrsgeschehen involviert. Anders als Autofahrer*innen, die sich in ihrem privaten „Fahrzimmer“ befinden! Entertainment, Smartphone, Essen, Trinken, Rauchen, usw. lenken ab. Die häufigste Ursache für Verkehrsunfälle ist Unachtsamkeit und Ablenkung.

6. Radfahrer*innen waren jahrelang die Underdogs im Straßenverkehr. Die Akzeptanz durch andere Verkehrsteilnehmer*innen und die notwendige Berücksichtigung bei Verkehrsplanung und Gesetzgebung bessert sich allmählich. Im einen oder anderen Radlerhirn hat sich da möglicherweise das Symptom „Antrainiertes Abwehrverhalten artet aggressiv aus“ entwickelt. Wenn auch verständlich so ist das extrem kontraproduktiv, wo die Situation gerade langsam besser wird.

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Plötzlich hatte ich diese Vision,
dass alle Radrowdys eigentlich
durchgeknallte Autofahrer
mit entzogenem Führerschein sind,
die sich aufs Fahrrad setzen,
um unser Image zu ruinieren.

 

Wir Cyclist*innen sollten sie jedenfalls so behandeln.

Ich appelliere an uns Radler, dass wir mit rücksichtslosen Kolleg*innen reden.
So als Peer-to-Peer-Intervention.

Quellen:

  • Statistik Austria, www.statistik.at
  • E-Mailkorrespondenz mit Bundesministerium:

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Von: Otmar.Bruckner@bmi.gv.at [mailto:Otmar.Bruckner@bmi.gv.at]
Gesendet: Montag, 23. April 2012 13:34
An: susanne.nueckel@gruene.at
Cc: Martin.Germ@bmi.gv.at; Pressestelle@bmi.gv.at
Betreff: Verkehrsunfallstatistik 2011

Sehr geehrte Frau Bezirksrätin!

Im Jahr 2011 ist das richtig, kein einziger Fußgänger (oder Pkw-Insasse) wurde durch das Fehlverhalten eines Radfahrers im Straßenverkehr tödlich verletzt.
2012 ist es bisher zu einem derartigen Unfall gekommen: Ein 36-jähriger Radfahrer kollidiert unbeleuchtet mit einer Joggerin bei Dunkelheit auf einer schmalen Gemeindestraße (KFZ-Verkehr verboten), die Joggerin stirbt, der Radfahrer bleibt unverletzt
Zu Ihrer zweiten Schlussfolgerung habe ich im Jahr 2011 eine einzige Ausnahme gefunden: Ein alkoholisierter Fußgänger hat beim unvermuteten Fahrbahnüberqueren einen Pkw-Unfall verursacht, bei dem ein Mitfahrer im Pkw verstarb.

Mit freundlichen Grüßen
Otmar Bruckner
BMI

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Von: Susanne Nückel [mailto:susanne.nueckel@gruene.at]
Gesendet: Dienstag, 10. April 2012 18:52
An: BRUCKNER Otmar (Referat_II_2_d)
Betreff: AW: Verkehrsunfallstatistik 2011

Sehr geehrter Herr Bruckner,

vielen Dank für Ihre rasche Antwort!

Wenn ich das richtig verstehe, ist somit kein einziger Fußgänger (oder Autofahrer) durch das Fehlverhalten eines Radfahrers gestorben.
Bzw. wenn Unschuldige auf den Straßen sterben, dann war der Verursacher immer motorisiert.
Diese Schlussfolgerung ist korrekt?

Mit freundlichen Grüßen
Susanne Nückel

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Von: Otmar.Bruckner@bmi.gv.at [mailto:Otmar.Bruckner@bmi.gv.at]
Gesendet: Dienstag, 10. April 2012 17:19
An: susanne.nueckel@gruene.at
Cc: Martin.Germ@bmi.gv.at
Betreff: Verkehrsunfallstatistik 2011

Sehr geehrte Frau Bezirksrätin!

Sehr gerne beantworte ich Ihnen die Frage.
Im angeschlossenen Artikel finden Sie unter dem Punkt Verkehrsbeteiligung auch einen Statistik zu den Radfahrern.

Verkehrsbeteiligung
Bei den tödlichen Verkehrsunfällen im Jahr 2011 verloren 282 PKW-Insassen, 17 Lkw-Insassen (davon elf in einem Klein-LKW), 68 Motorrad-Fahrer, 17 Moped-Fahrer, 42 Radfahrer (davon zwei mit Elektro-Fahrrad), 86 Fußgänger (davon 35 durch ihr eigenes Fehlverhalten und 51 durch Fremdverschulden), vier Traktor-Lenker/Mitfahrer, zwei Lenker von Arbeitsmaschinen, zwei Microcar-Lenker/Mitfahrer und ein Lenker eines Elektro-Behindertenfahrzeuges ihr Leben.
Zurückgegangen auf die bisher niedrigsten je erfassten Werte sind die getöteten Pkw-Lenker und Insassen sowie die Fußgänger. Angestiegen gegenüber dem Vorjahr ist die Anzahl der getöteten Radfahrer. Von den 42 Radfahrern starben 25 durch ihr eigenes Fehlverhalten und 17 durch Fremdverschulden. Vier Radfahrer verunglückten auf einer Radfahrüberfahrt und je zwei auf einem Radweg bzw. auf einem Gehsteig/Gehweg.

Demnach haben im Jahr 2011 insgesamt 25 Radfahrer einen tödlichen Straßenverkehrsunfall verursacht (einschl. Alleinunfälle).

Mit freundlichen Grüßen

OTMAR BRUCKNER, ADIR
BUNDESMINISTERIUM FÜR INNERES
GENERALDIREKTION FÜR DIE ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
EINSATZANGELEGENHEITEN – VERKEHRSDIENST – II/2/d
MINORITENPLATZ 9
1010 WIEN
TEL +43-1 531 26 – 3809
FAX +43-1 531 26 -108569
otmar.bruckner@bmi.gv.at
www.bmi.gv.at

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