Wie Jorgen Randers die Welt im Jahre 2052 sieht

Am 13. September 2012 erläuterte der norwegische Wissenschafter seine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre, die er für den Club of Rome erstellt hat.

Drei Annahmen:

  • die Innovationsrate ist gleichbleibend
  • die Einstellung der Menschen verändert sich kaum
  • auf Probleme wird im nachhinein reagiert
betterworldfornothing
„Climate Summit“ by Joel Pett


Weltbevölkerung
: die Geburtenrate wird sinken, weil sich Frauen weltweit für weniger Kinder entscheiden.
Bei der Präsentation des Buches in China hat Randers erfahren, dass die allgemeinen Schätzungen nicht stimmen und die Zahlen der Volkszählung 2010 zeigen: „we find fewer Chinese than we thought“.

Die Arbeitsproduktivität wird leicht sinken.

Wohlstand: Es wird 2052 mehr Armut geben.
Was sich positiv auf das Klima auswirken wird, weil es bedeutet, dass sich nur ein Teil der Bevölkerung einen umweltschädlichen Lebensstil leisten wird können.
Die ärmer werdenden Menschen müssen lernen, auf andere Weise glücklich zu sein als bisher.

Energie: alternative Energiegewinnung wird in Kürze enorm steigen.

Die Ernährung der Menschheit ist ausschließlich eine Frage der Distribution. Heute und morgen.

Zur gleichbleibenden Innovationsrate: der landläufigen Meinung, dass immer alles schneller wird, muss entgegengehalten werden, dass echte Innovation etwas anderes ist als a) „mehr vom selben“ und b) höheres Tempo bei irrelevanten Nebensächlichkeiten.

Zur Aussagekraft von Durchschnittseinkommen bei wachsender Einkommensschere: ja, es gibt einen Rückschritt und wir nähern uns der Situation von 1920, weil die Kapitalisten mehr und mehr vom erwirtschafteten Gewinn einstecken. Aber das wird in den nächsten Jahren öffentlich bekannt werden.

USA/Europa/China

Das politische System in den USA verunmöglicht es, notwendige oder auch nur kleine Entscheidungen zu treffen. In Europa ist die Situation besser.

Soll der Westen China kopieren? Eine Partei mit 97% Zustimmung der Bevölkerung kann kluge Entscheidungen tatsächlich umsetzen. Bestes Beispiel ist die Ein-Kind-Politik, die für sich das Land eindeutig positiv ausgewirkt hat.

Warum es in den USA zu keiner Revolution kommen wird, obwohl die Armut weiter wächst: es gibt kein Gefühl für soziale Kohäsion. „When I get rich, I don’t want to pay any cent for social welfare.“

Warum ist das kapitalistische System nicht imstande, die notwendigen Schritte in Richtung einer besseren Zukunft für alle zu tun? Weil die Maßnahmen zur Veränderung etwas teurer sind als das Nichtstun. Entscheidend ist nicht, ob Veränderung viel oder wenig kostet (die nötigen Aufwendungen wären gering!): nein, es reicht, dass sie teurer ist.

Randers hat für die norwegische Regierung in einer Kommission einen 15-Punkte-Plan gegen den Klimawandel erarbeitet. In sechs Jahren wurden 1,5 Punkte umgesetzt. Eine der Aufgaben wäre ein Wechsel von „schmutzigen“ zu „sauberen“ Jobs für ca. zwei Prozent der Arbeitskräfte.

In Europa wird es zu einem Konflikt zwischen Alt und Jung kommen: Pensionen und von der alten Generation verursachte Staatsschulden werden von der neuen Generation nicht mehr bezahlt werden.

Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben

1972 gab es die Hoffnung, dass die Ökonomen ihre Meinung ändern und sich weniger für billige, kurzfristige Lösungen entscheiden. Heute wissen wir, dass sie das nicht tun.

Bildung: In Norwegen gibt es seit zwei Generationen freie Bildung für alle und die rechten Parteien erhalten heute fast ein Viertel der Stimmen.

Angstmache: selbst nach einer Katastrophe wie Katrina oder Deepwater Horizon oder Fukushima kommen keine vernünftigen Entscheidungen zustande.

(Was leider immer hilft: ein gemeinsamer Feind.)

Im Buch nicht berücksichtigte Themen

Finanzkrise: global nicht relevant, weil sie lediglich einen Wechsel von Besitztum verursacht (Beispiel Russland). Die Banken werden 2052 über mehr Sparguthaben und mehr Investorengelder verfügen.

Trinkwasserkrise: technologisch lösbar. Wenn das Wasser dadurch teurer wird, werden sich die Menschen andere Güter weniger leisten können.

Zusammenfassung

Wir haben ein Regierungsproblem („governance problem“) und wir brauchen ein „transition management“.

Was müssen wir tun, um eine bessere Welt für unsere Enkelkinder zu gestalten:

  • weniger Kinder kriegen
  • weniger fossile Energie verwenden
  • von den reichen Ländern finanzierte, fossilarme Energiesysteme in den armen Ländern errichten
  • supranationale Institutionen aufbauen, die sich der nationalen Kurzsichtigkeit entgegenstellen
  • neue Wege für das Wohlbefinden der Menschen finden, wenn finanzieller Wohlstand sinkt

 

Die Website zum Buch:  www.2052.info

Leseprobe (deutsch):  www.oekom.de/…/2052_Leseprobe.pdf

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