Neues Geschichte-Schulbuch

Wenn unsere Aufgabe ist, die Welt differenziert wahrzunehmen, selbständig zu denken und respektvoll zu diskutieren, brauchen wir Schulbücher, die diese Vorgehens- und Denkweise nahe bringen.Ich stelle mir ein Schulbuch vor, in dem auf jeder Seite nur eine Aussage steht. Das kann  ein Zitat, eine Behauptung, eine Weisheit, eines Gesetzestext, eine Mediennachricht sein. So wie es ja später, im wirklichen Leben auch ist: man liest Zeitung, man spricht mit anderen, man wird um seine Meinung gefragt (Wahlen), oder man fordert sein Recht ein.

Der erste positive Effekt wäre, dass alle überlegen, in welchem Zusammenhang steht diese Aussage. Alle lernen, zunächst auf die Umstände, die Verbindungen, die Interessen zu achten. (Wer könnte das wann und warum gesagt haben?) Eine geeignete Methode dafür ist gemeinsames Brainstorming. Der erste Schritt ist beendet, wenn die Flipchart/Tafel mit Stichworten vollgeschrieben ist.

Je nach Umstand kann eine Aussage Zustimmung oder Ablehnung erfahren. Der nächste Schritt braucht Reflexion: ist mir etwas Ähnliches passiert? Wie war das für mich? Habe ich mich benachteiligt, missverstanden, triumphierend, zufrieden gefühlt? Jeder denkt für sich nach, macht Notizen (ein Fragenbogen kann hilfreich sein), hält seine Gefühle und Gedanken kreativ fest. Der Schritt ist abgeschlossen, wenn jeder ein persönliches Bild vom Thema hat.

Schon beim Vergleichen der Erzählungen der anderen begreift man, dass es viele Aspekte und Sichtweisen gibt. Die Neugierde, mehr zum Thema zu erfahren, ist hoffentlich geweckt. Gruppenweise wird recherchiert und  Wissen gesammelt: was will ich wissen? Was muss man wissen, um sich eine fundierte Meinung bilden zu können? Wo kann ich das erfahren? Am Ende gibt es viele Antworten und Wissens-Stücke, zum Beispiel an eine Wand gehängt.

Gemeinsam wird das Wissen erarbeitet, mit Referaten und Präsentationen gegenseitig vermittelt. Abschließend strukturiert jeder die Informationen und archiviert sie in individueller Weise, um es später schnell und einfach wieder zur Verfügung zu haben. Wissensmanagement – inkl. Wissenstransfer – sind alltägliche Aufgaben.

Gute Methoden, damit sich das neue Wissen setzen kann, sind Klausur und Diskurs. Die erste Meinung muss unter dem Licht des größeren Wissens geprüft und aktualisiert werden. Meditative Tätigkeiten (Spaziergänge, handwerkliche Arbeiten) und lockere Gesprächsrunden fördern diesen Prozess. Genauso wertvoll es ist, dass man lernt zu philosophieren und diskutieren, ist es auch, ein Ende zu finden.

Jeder gibt eine allgemeine Definition und seine persönliche Meinung ab. Manche haben eine Vision, ein Manifest oder eine Liste mit weiteren Fragen, die sie für sich selbst bearbeiten wollen. Zum Schluss kann jeder sagen: „Ich verstehe das Thema, habe mir darüber Gedanken gemacht, kann es in meinem Leben verorten und gegenüber anderen vertreten.“

Wenn unsere Erwachsenen zu den Themen des Lebens eine selbstgefasste Meinung haben und diese formulieren können, haben wir im zwischenmenschlichen und politischen Leben viel gewonnen. Zudem kann diese Methode auch anderswo als in Schulen Anwendung finden.

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